paedologic richtet sich an erziehungswissenschaftlich interessierte Leser:innen, die Freude daran haben, sich mit Themen, Gedanken, Überlegungen oder Thesen im Kontext von Bildung, Erziehung, Lernen und pädagogischen Institutionen zu befassen. Das inhaltliche Spektrum reicht von aktuellen Entwicklungen, über theoretische Konzepte bis zur Erinnerung an pädagogische Klassiker. Die Blogbeiträge sind keine systematischen wissenschaftlichen Erörterungen, sondern möchten in einer gut lesbaren Form zur Diskussion und zum Nachdenken anregen. Kommentare sind ausdrücklich erwünscht.

paedologic möchte einen Beitrag zur Selbstvergewisserung und Reflexion der Erziehungswissenschaft leisten. Im öffentlichen Bild und auch in der Wissenschaftslandschaft scheint die Erziehungswissenschaft durch die empirische Wende längst in sozialwissenschaftlich orientierte Bildungswissenschaften erodiert zu sein. Mit dieser Entwicklung lässt sich die Frage stellen, ob genau das nicht auch für den Kern von Erziehung gilt. Auch das seit jeher diskutierte Problem der Differenz von pädagogischer Theorie und pädagogischer Praxis gehört in diesen Zusammenhang. Wenn Bildung wie in den internationalen Schulleistungsstudien als verwertbare Kompetenz betrachtet und die Anpassung von Bildungszielen an bildungspolitische und ökonomische Erfordernisse gefordert wird, hat dies umfassende Konsequenzen für die Erziehungswissenschaft als Disziplin.

Es ist inzwischen erkennbar, dass die systematische erziehungstheoretische Reflexion über das, was Erziehung und Bildung eigentlich sind, d.h. die theoretische Erkenntnis pädagogischer Phänomene und pädagogischen Handelns, die einst zum Kern der Erziehungswissenschaft gehörten, nur noch eine marginale Rolle spielen. Auch an den Universitäten werden die Lehrstühle und Professuren für Allgemeine Erziehungswissenschaft durch prestigeträchtigere und aktuellere Denominationen, vor allem in Richtung empirischer Forschung, ersetzt.

Für die Erziehungswissenschaft ist zum Problem geworden, dass sie hinsichtlich ihres Selbstverständnisses kaum die Frage nach ihren einheimischen Begriffen gestellt hat, die schon Johann Friedrich Herbart angemahnt hatte. Die Reflexion über den „Kern der Erziehung“ zu vernachlässigen, hat inzwischen dazu geführt, dass die Psychologie oder Neurowissenschaften das Sagen haben, wenn es um Lernen oder Didaktik geht. Der Bildungsbegriff ist heute so konturenlos und anpassungsfähig, dass sogar die Wirtschaftswissenschaften Bildungsforschung betreiben können. Da man nicht richtig weiß, wofür Pädagog:innen eigentlich Expert:innen sind, bleibt ihre Aufgabe unscharf und kann von anderen Berufsgruppen substituiert werden. Sie betreuen, fördern, unterrichten, beraten, aber was daran ist eigentlich der pädagogische Kern?

Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass es empirische pädagogische Forschung mit komplexen Situationen zu tun hat. Diese Komplexität, in die pädagogische Interaktionen eingebunden sind, umfasst nicht nur die beteiligten Personen, mit ihren biographischen, sozialen und leiblichen Voraussetzungen, sondern auch situative Momente und vielfältige Aspekte der materiellen Umwelt. In diese Gemengelage, sozusagen das „entanglement“ von individuellen Bedingungen, sozialen Prozessen und materiellen Bedingungen, ist die leibliche und kulturelle Dimension des pädagogischen Geschehens eingeschlossen. Mit der Reduktion auf wenige relevante Variablen, wie sie empirische Forschungen vornehmen müssen, lässt sich eine solche Komplexität niemals einholen. Dabei fällt immer etwas unter den Tisch – in der Regel ist es das, was einfach nicht gut messbar ist.

Die Beiträge im paedologic Blog sollen darauf aufmerksam machen, dass es die Aufgabe der Erziehungswissenschaft ist, den Blick weit zu halten, auf das, was Erziehung eigentlich ausmacht. Es geht darum, sich der pädagogischen Kernbegriffe zu vergewissern und die Wirklichkeit von Erziehung mit Hilfe theoretischer Konzepte und Ansätze zu verstehen. Der paedologic Blog möchte deutlich machen, dass systematische erziehungswissenschaftliche Reflexion weder durch bildungswissenschaftliche Forschung in Psychologie, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, noch durch pädagogische Praxeologie ersetzt werden kann.

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